"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Mittwoch, 18. Januar 2017

"Unser Leben ist in den letzten Jahrzehnten so vielseitig, so reich, aber auch so unruhig geworden, daß man meint, jeder sei vollauf, ja fast zuviel von allen möglichen Arbeiten und Liebhabereien in Anspruch genommen. Überall hört man das Wort bei den verschiedensten Anlässen: Dazu habe ich keine Zeit. 
Und doch gibt es Dinge, für die muß jeder Zeit haben und kann jeder Zeit haben, wenn er sich nur den Blick frei hält, daß er nicht von allem, was den Tag bewegt und viel Geschrei von sich macht, sich die kostbare Zeit rauben läßt. Alle wichtigen Dinge sind unserer ernsten Beachtung wert, sie versäumen, heißt, an ihnen und sich selbst Unrecht tun."*

Klingt wie von heute, ist aber aus einem Buch von 1911.

In diesem Sinne wünsche ich - wenn auch etwas verspätet - allen Lesern und Leserinnen dieser Seiten ein wunderbares Jahr 2017. Und natürlich die Fähigkeit wichtige von unwichtigen Dingen zu unterscheiden und die wichtigen nicht zu versäumen!!

* Zitat aus: Die Wunderwelt des Ostens. Reisebriefe aus China und Japan von Missionsinspektor Lic. H. Witte, Berlin. Berlin-Schöneberg, 1911

Montag, 9. November 2015

Flüchtlinge - früher und heute

"Ich habe die Ehre ausdrücklich darum zu bitten, daß die interessierten Konsuln jeden in ihrer Macht stehenden Schritt unternehmen, um jede weitere Ankunft [von] ... Flüchtlinge[n] ... zu verhindern. Es ist nicht nur die Versorgung mit Unterkunft und Lebensmitteln zu bedenken, sondern auch der Grad, bis zum dem jede weitere Anzahl von Flüchtlingen aufgenommen werden kann, ohne den Lebensstandard der bestehenden Gemeinschaft noch weiter zu schädigen." 
Dieses Zitat bezieht sich nicht etwa auf die heutige Situation in Deutschland. Mit diesem Apell wandte sich im Dezember 1938 Cornell S. Franklin, der Vorsitzende des Shanghai Municipal Council an das konsularische Korps, als immer mehr jüdische Flüchtlinge nach Shanghai kamen. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt fast der letzte noch mögliche Fluchtort aus Nazi-Deutschland. Die führende amerikanische Abendzeitung, die Shanghai Evening Post & Mercury, schrieb von einem "in alarmierender Weise wachsenden Problem" und forderte: "Irgendwie wird es nötig sein, diesen Zuzug zu stoppen."

Manchmal hat man das Gefühl, dass seither nichts dazugelernt wurde. Die Floskeln gleichen denen von heute, die Ängste um den eigenen Lebensstardard, das fehlende Mitleid. Viele in Deutschland scheinen vergessen zu haben, dass auch dieses Land Millionen von Menschen in die Flucht getrieben hat und dass hier viele Deutsche leben, die Vertreibung am eigenen Leib erlebt haben. Oder sie sehen keinen Zusammenhang. Zum Glück gibt es auch andere.

1939, in Shanghai, veröffentlichte die China Weekly Review eine scharfe Erwiderung auf den Artikel in der Post:
"Die Post sagte, es sei etwas 'fast Erschreckendes' an der Nachricht, daß zusätzliche 1.000 jüdische Flüchtlinge hier in Kürze mit der Conte Biancomano eintreffen. Es scheint der Post nicht aufgefallen zu sein, daß es viel erschreckender ist, ein Opfer des Nazi-Hasses zu sein und keinen Platz zu haben, wohin man entkommen kann, von keinem Land zu wissen, das mehr zu tun gewillt ist als ... fromme Wort der Sympathie zu äußern."
Alle Zitate aus: Astrid Freyeisen: Shanghai und die Politik des Dritten Reiches. Würzburg, 2000, S. 219f.

Sonntag, 26. Juli 2015

Ruhe wagen

Das wäre wirklich mal ein Wagnis!


Sonntag, 12. Juli 2015

Momo in China und Deutschland


Am 27. Juni moderierte ich im Konfuzius-Institut in Hamburg ein Gespräch über "Momo in China und Deutschland - Gedanken über ökonomische und innere Werte". Gäste waren der chinesische Zen-Buddhist Dayuan, Abt des Liuzu-Klosters in Südchina, und der deutsche Filmemacher und Prozessbegleiter Oliver Sachs.
In dem bekannten Buch von Michael Ende, erschienen 1973, geht es um das kleine elternlose Mädchen Momo, das die Welt vor den grauen Herren rettet, die den Menschen ihre Lebenszeit rauben.
Im Gespräch ging der Mönch stärker auf die persönlichen Faktoren ein, die den Menschen dazu bringen, sich mit den grauen Herren einzulassen. Oliver Sachs dagegen analysierte das Buch als "Parabel über Geldsysteme, ihre Konstruktion und deren Auswirkungen auf die menschliche Gemeinschaft."  Doch er betonte auch, dass für ihn gerade die Verbindung dieser verschiedenen Ebenen das Buch so interessant macht.

Oliver Sachs hat bereits mit einem Team einen Kurzfilm über "40 Jahre Momo - ein Märchen wird erwachsen" gedreht und plant einen Langfilm, der per Crowdfunding finanziert werden soll.
Mehr Informationen unter: www.40jahremomo.de

Donnerstag, 14. Mai 2015

Langes Wort (2)

Auch ein schönes Wort.


Samstag, 9. Mai 2015

Langes Wort (1)

Auf einem Schrank im Aufenthaltsraum eines Krankenhauses las ich gestern den Aufkleber DKH-PAPPBLUMENVASEN. Wobei DKH vermutlich für DIAKONIEKRANKENHAUS steht, der Aufkleber also auf den DIAKONIEKRANKENHAUSPAPPBLUMENVASENSCHRANK hindeutet.

Mittwoch, 29. April 2015

Altern in China - Neumünster

Am 26.4. war ich an der VHS Neumünster zu einem Vortrag über "Altern in China" eingeladen. Ein sehr angenehmer Sonntagnachmittag, mit interessierten (und informierten) ZuhörerInnen, Kaffee und Kuchen und einer lebhaften Diskussion.

China und Deutschland haben in Bezug auf das Alter vergleichbare Probleme. Beides sind alternde Gesellschaften und es ist interessant zu vergleichen, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen.

Aber ich beginne den Vortrag mit einem Zitat von Konfuzius. Er gibt darin einen Abriss der verschiedenen Lebensstufen und der jeweiligen Aufgaben. Für ihn ist das Alter kein "Problem", sondern eine Zeit der Freiheit und der Weisheit. Und das sollte man sich ruhig auch gelegentlich vor Augen halten.

Ich war fünfzehn, und mein Wille stand aufs Lernen, mit dreißig stand ich fest, mit vierzig hatte ich keine Zweifel mehr, mit fünfzig war mir das Gesetz des Himmels kund, mit sechzig war mein Ohr aufgetan, mit siebzig konnte ich meines Herzens Wünschen folgen, ohne das Maß zu übertreten. (Gespräche II,4)