"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Mondfest

Heute ist das chinesische Mittherbst- oder Mondfest. In China war es mein Lieblingsfest. Im Idealfall sitzt man nachts mit der Familie oder Freunden in einem Park und betrachtet den Vollmond, der sich im Wasser spiegelt ...

Wochen vorher gab es in allen Supermärkten aufwändig verzierte Schachteln mit Mondkuchen. In Bussen, auf der Straße, überall trugen Leute diese Schachteln mit sich herum, die sie entweder geschenkt bekommen hatten oder selbst verschenken wollten. Gefüllt waren die Kuchen meistens (viel zu) süß, dazwischen oft ein salziges Eigelb. Aber es gab auch Varianten mit Fleisch oder modernere mit Eiscreme. Um ehrlich zu sein: Ich mochte am liebsten die Schachteln.

Trotzdem habe ich dieses Jahr zum ersten Mal versucht, selbst Mondkuchen zu backen. Zu meinem eigenen Erstaunen ist das machbar. Rezepte findet man im Internet. Als Füllung habe ich selbstgemachte rote Bohnenpaste verwendet. Hier ein paar Fotos von der Produktion und dem Ergebnis:

Zuerst wickelt man den Teig um die Füllung. Dann  presst man die so entstandene Kugel in eine Mondkuchenform.


Und dann bäckt man sie.

Sie waren so lecker, dass sie leider schon vor dem Mondfest gegessen waren. Aber zum Glück haben wir von chinesischen Freunden Mondkuchen geschenkt bekommen. In einer aufwändigen Verpackung ....


Freitag, 25. August 2017

Sommer - Sonne - Straßenmusik

Viel Sommer hatten wir dieses Jahr nicht in Hamburg. Aber Jupp und ich haben einen der wenigen Sonnentage genutzt, um uns mit Gitarre und Chalumeau auf die Straße zu wagen. Ein Passant machte dabei dieses Foto und hat es uns netterweise zugeschickt.


Montag, 5. Juni 2017

Berta Kleimenhagen

Berta Kleimenhagen, Febr. 2017
Im Februar 2017 hatte ich die Möglichkeit, in Stuttgart ein Gespräch mit Berta Kleimenhagen zu führen. Eigentlich hatte sie nach ihrem 100sten Geburtstag im November 2016 keine Interviews mehr geben wollen, aber sie ließ sich zum Glück dann doch überreden. Es waren zwei sehr interessante und anregende Tage für mich.
1916 in Changsha, in der Provinz Hunan, als Tochter des Missionarsehepaars Steybe geboren, lernt Berta als Kind ein China kennen, dass von gesellschaftlichen Umwälzungen und Naturkatastrophen geprägt und erschüttert wird. "Als Missionarstochter kannte ich von klein auf Bürgerkriege, Bedrohungen durch Räuber, Überschwemmungen, Hungersnöte
Berta Kleimenhagen mit Schulkindern 1949
und Seuchen." Als Älteste von fünf Geschwistern geht sie mit 13 Jahren allein nach Deutschland, um dort die Schule zu beenden. 1937, drei Wochen vor dem Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Krieges, ist sie wieder in China. Sie unterstützt ihre Eltern, die sich um die chinesischen Flüchtlinge kümmern, die aus den Ostprovinzen strömen, begleitet ihre Mutter zu Bibelstunden und verteilt mit dem Vater Traktate. Schließlich kommt von der Mission die Anfrage, ob sie nicht bereit wäre, die Kinder der Missionare zu unterrichten. Mit viel Engagement widmet sie sich der neuen Aufgabe und bleibt auch in China, als ihre Eltern 1941 das Land verlassen. Immer wieder wird die kleine Schar der Schulkinder mit ihrer Lehrerin in den Kriegswirren vertrieben, immer wieder baut sie eine kleine Schule auf und ist den Kindern Halt und Elternersatz. Einige Jahre nach dem Ende des Krieges muss aber auch sie schließlich China verlassen. Später wird Berta Sekretärin und Sozialarbeiterin in Tübingen und Berlin. Sie reist in der ganzen Welt umher, immer wach und interessiert. Schon 1979 besucht sie mit ihren Schwestern auch wieder China und freut sich, dass sie sich immer noch im Hunan-Dialekt verständigen kann.

Es ist ein spannendes Leben, von dem mir Berta Kleimenhagen erzählt, und ich freue mich, dass ich sie kennenlernen durfte.
Mehr über sie im Artikel "Ich war immer zufrieden mit dem, was gerade war." im neuen StuDeO-INFO (>Artikel)

Montag, 24. April 2017

Europa mauert

Wandmalerei, gesehen in Lissabon, April 2017


Freitag, 10. März 2017

Ohne Plastik 1

Auch nicht-religiöse Menschen nutzen ja mittlerweile die etwa sechswöchige christliche Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern, um mal probehalber mit einer Gewohnheit zu brechen, etwas Neues auszuprobieren oder Ordnung ins Leben zu bringen. Manche essen keinen Zucker oder trinken keinen Alkohol, andere kaufen keine Klamotten oder räumen jeden Tag etwas auf.

Foto: stueckgut-hamburg.de
Ich habe mir für dieses Mal vorgenommen, kein oder möglichst wenig Plastik zu kaufen. Die erste Bewährungsprobe stand letzten Samstag an: der wöchentliche Großeinkauf von Lebensmitteln. Obst und Gemüse ist ja kein großes Problem, aber Dinge, wie Kürbiskerne, Leinsamen, Linsen, Spaghetti etc. gibt es im Biosupermarkt meines Vertrauens nur in Plastikverpackung. Was tun? Und siehe da - auf dem Weg fiel uns ein Schild ins Auge  "Stückgut - unverpackt einkaufen". Wir folgten dem Pfeil und fanden uns in einem kleinen Laden mit Café wieder. Dort gibt es (fast) alles, was ich normalerweise kaufe, in großen Spendern. Man bringt ein Glas oder eine andere Verpackung mit und füllt ein, was man möchte. Die Verpackung wiegt man vorher ab, so dass man nur den Inhalt bezahlt. Wer keine Gläser dabei hat, kann dort auch welche erwerben. Der selbstgemachte Kuchen sah auch ziemlich lecker aus.

Unverpackt einkaufen. Foto: stueckgut-hamburg.de
Dieser Laden ist in Hamburg-Ottensen.
Am Felde 91
www.stueckgut-hamburg.de

Aber vielleicht gibt es solche Geschäfte ja auch noch woanders.
Ich finde es jedenfalls eine Super-Idee und es erleichtert mir meinen Vorsatz ungemein.



Mittwoch, 18. Januar 2017

Zum Neuen Jahr 2017

"Unser Leben ist in den letzten Jahrzehnten so vielseitig, so reich, aber auch so unruhig geworden, daß man meint, jeder sei vollauf, ja fast zuviel von allen möglichen Arbeiten und Liebhabereien in Anspruch genommen. Überall hört man das Wort bei den verschiedensten Anlässen: Dazu habe ich keine Zeit. 
Und doch gibt es Dinge, für die muß jeder Zeit haben und kann jeder Zeit haben, wenn er sich nur den Blick frei hält, daß er nicht von allem, was den Tag bewegt und viel Geschrei von sich macht, sich die kostbare Zeit rauben läßt. Alle wichtigen Dinge sind unserer ernsten Beachtung wert, sie versäumen, heißt, an ihnen und sich selbst Unrecht tun."*

Klingt wie von heute, ist aber aus einem Buch von 1911.

In diesem Sinne wünsche ich - wenn auch etwas verspätet - allen Lesern und Leserinnen dieser Seiten ein wunderbares Jahr 2017. Und natürlich die Fähigkeit wichtige von unwichtigen Dingen zu unterscheiden und die wichtigen nicht zu versäumen!!

* Zitat aus: Die Wunderwelt des Ostens. Reisebriefe aus China und Japan von Missionsinspektor Lic. H. Witte, Berlin. Berlin-Schöneberg, 1911

Montag, 9. November 2015

Flüchtlinge - früher und heute

"Ich habe die Ehre ausdrücklich darum zu bitten, daß die interessierten Konsuln jeden in ihrer Macht stehenden Schritt unternehmen, um jede weitere Ankunft [von] ... Flüchtlinge[n] ... zu verhindern. Es ist nicht nur die Versorgung mit Unterkunft und Lebensmitteln zu bedenken, sondern auch der Grad, bis zum dem jede weitere Anzahl von Flüchtlingen aufgenommen werden kann, ohne den Lebensstandard der bestehenden Gemeinschaft noch weiter zu schädigen." 
Dieses Zitat bezieht sich nicht etwa auf die heutige Situation in Deutschland. Mit diesem Apell wandte sich im Dezember 1938 Cornell S. Franklin, der Vorsitzende des Shanghai Municipal Council an das konsularische Korps, als immer mehr jüdische Flüchtlinge nach Shanghai kamen. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt fast der letzte noch mögliche Fluchtort aus Nazi-Deutschland. Die führende amerikanische Abendzeitung, die Shanghai Evening Post & Mercury, schrieb von einem "in alarmierender Weise wachsenden Problem" und forderte: "Irgendwie wird es nötig sein, diesen Zuzug zu stoppen."

Manchmal hat man das Gefühl, dass seither nichts dazugelernt wurde. Die Floskeln gleichen denen von heute, die Ängste um den eigenen Lebensstardard, das fehlende Mitleid. Viele in Deutschland scheinen vergessen zu haben, dass auch dieses Land Millionen von Menschen in die Flucht getrieben hat und dass hier viele Deutsche leben, die Vertreibung am eigenen Leib erlebt haben. Oder sie sehen keinen Zusammenhang. Zum Glück gibt es auch andere.

1939, in Shanghai, veröffentlichte die China Weekly Review eine scharfe Erwiderung auf den Artikel in der Post:
"Die Post sagte, es sei etwas 'fast Erschreckendes' an der Nachricht, daß zusätzliche 1.000 jüdische Flüchtlinge hier in Kürze mit der Conte Biancomano eintreffen. Es scheint der Post nicht aufgefallen zu sein, daß es viel erschreckender ist, ein Opfer des Nazi-Hasses zu sein und keinen Platz zu haben, wohin man entkommen kann, von keinem Land zu wissen, das mehr zu tun gewillt ist als ... fromme Wort der Sympathie zu äußern."
Alle Zitate aus: Astrid Freyeisen: Shanghai und die Politik des Dritten Reiches. Würzburg, 2000, S. 219f.